“Universitätslehrgang
   
Wien Fotografie

Erinnerung und Gegenwart

Anna Breit ist eine österreichische Fotografin, deren Arbeiten sich an der Schnittstelle von künstlerischer und angewandter Fotografie bewegen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen aus, wobei sie häufig Personen aus ihrem unmittelbaren Umfeld ins Zentrum ihrer Werke rückt, wodurch eine intime Reflexion über Nähe, Identität und Verbundenheit entsteht.

Die aktuelle Ausstellung „These days I think a lot about the days that I forgot“, kuratiert von Maria Venzl, ist noch bis zum 27. Juli im Francisco Carolinum – Museum für Fotografie und Medienkunst in Linz – zu sehen. Im Zentrum steht ein vielschichtiges Generationenporträt dreier Frauen: der Künstlerin selbst, ihrer Mutter und ihrer Großmutter.

Ausgehend von ihrer eigenen Kindheit setzt sich Anna Breit in ihrer Arbeit mit der bewussten Gestaltung und Reflexion von Erinnerungen auseinander. Dabei verbindet sie Archivmaterial aus Familienalben mit neuen, analogen Fotografien und lässt so Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Entstanden ist ein poetischer, fotografischer Liebesbrief an ihre Mutter und Großmutter, der zentrale Fragen nach Vergänglichkeit, Sterblichkeit und der Bedeutung von Erinnerung aufwirft.

Kannst du uns einen Einblick in den Entstehungsprozess des Ausstellungskonzepts geben?
Die Ausstellung ist eine Erweiterung meiner fortlaufenden Serie über meine Mutter, die ich 2018 erstmals bewusst fotografiert habe. Als ich die Einladung zur Ausstellung erhielt und die Räume zum ersten Mal sah, war mir klar, dass ich diese Arbeit zeigen möchte – sie aber um meine Großmutter und mich erweitern will. Ich habe die Fotoalben meiner Familie durchgesehen und so meine Großmutter und mich selbst in die Arbeit eingebunden.

Die Räumlichkeiten des Museums sind beeindruckend, daher war es mir wichtig, bewusst mit ihnen zu arbeiten. Die Rahmen der Bilder sind auf die Fenster- und Türrahmen abgestimmt, die Größen der Tapeten auf die Räume, und die Installation ist durch die Gangsituation im Museum entstanden.

Was ist die größte Herausforderung, wenn man Familienmitglieder in ein solches Projekt einbezieht?
Es ist immer wichtig, die Person, egal ob Familienmitglied oder nicht, zu respektieren und behutsam mit ihnen umzugehen. Fotografieren kann sehr schnell etwas Bloßstellendes oder Entblößendes haben – ich möchte das Gegenteil erreichen. Deshalb sind die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, für mich sehr wichtig.

Wie war deine Kindheit und welche Rolle nahm deine Großmutter bei der Erziehung ein?
An meine frühe Kindheit habe ich sehr schöne Erinnerungen. Meine Oma war für mich eine sehr angenehme und warme Person und hat ihre Wohnung durch ihre Präsenz und die Auswahl der Einrichtung immer schön gestaltet. Schon als Kind war ich von Tapeten und Textilien umgeben – bei meiner Oma in der Wohnung und bei meiner Mutter, die als Schneiderin tätig war. Textilien spielten stets eine große Rolle und waren mit ein Grund, weshalb ich mich für Mode, und in weiterer Folge für Modefotografie und Fotografie, zu interessieren begann.

Hast du Geschwister?
Ja ich habe drei ältere Brüder.

Warum denkst du, dass man heutzutage wieder viele generationsübergreifende Projekte sieht? Hat es etwas mit Nostalgie zu tun? Welche Rolle spielt sie in deiner Arbeit?
Nostalgie verbinde ich oft mit etwas Schwerem, während die Ausstellung für mich sehr leicht und positiv ist. Außerdem bezeichnet Nostalgie die Sehnsucht nach etwas Vergangenem – die Bilder meiner Mutter sind jedoch sehr aktuell.

Ich sehe es vielmehr als eine Hommage bzw. einen Liebesbrief an meine Mutter und Großmutter.

Welche Rolle spielen Gesten in deinen Bildern? Welche davon aus deiner Kindheit sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Gesten spielen eine große Rolle. Auf sie habe ich mich beim Fotografieren meiner Mutter fokussiert, und bei meiner Oma habe ich mich an sie erinnert und in den Fotos nach ihnen gesucht.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Kuratorin Maria Venzl und wobei konnte sie dir am meisten helfen?
Die Zusammenarbeit war ausgesprochen angenehm. Ich hatte eine klare Vorstellung und Maria hat mir den Freiraum gegeben, diese ganz nach meinen eigenen Ideen umzusetzen. Eine Ausstellung genauso umzusetzen wie geplant ist nicht selbstverständlich und ich bin ihr dankbar für die Möglichkeit. Generell ist aber das gesamte Team vom Francisco Carolinum toll – ohne das professionelle Technikteam wäre die ganze Ausstellung nicht möglich gewesen.

In dieser Ausstellung geht es auch um das Festhalten von Momenten für die Ewigkeit. Abgesehen von dieser Ausstellung: Wie sicherst du deine Daten und wie versuchst du, sie für die „Ewigkeit“ zu archivieren?
Ich bin sehr chaotisch was das archivieren von digitalen Daten betrifft. Zum Glück habe ich aber immer die Negative aller Projekte – die verliere ich nicht so leicht.

Anna Breit

Woran arbeitest du gerade?
Es wird noch ein Katalog zu der Ausstellung geben an dem wir gerade arbeiten. Der sollte auch noch während der Laufzeit der Ausstellung rauskommen.

Ausstellung: Anna Breit – These days I think a lot about the days that I forgot
Ausstellungsdauer: 14.03.– 27.07.25
Adresse: Francisco Carolinum Linz, Museumstr.14, 4020 Linz

Anna Breit – www.annabreit.com, www.instagram.com/anna_breit/


Anna Breit (*1991 in Wien) ist eine Fotografin, deren Arbeiten sich an der Schnittstelle von dokumentarischer, angewandter und künstlerischer Fotografie bewegen. Ihre Arbeitsweise zeichnet sich durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen aus, die sie mit präzisem Blick und großer Sensibilität einfängt.